TX001 · Fußnote 29 · Routeneintrag 22 von 26
Baum 418 · Aleister Crowley
Am Baum 418 verwandelt Aleister Crowley den bürgerlichen Park in einen temporären Tempel zwischen dieser Welt und ihrer Hinterbühne.
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Worte, die die Route trägt
Deutsche Textfassung
Noch ein paar Schritte weiter rechts steht Baum 418 und darauf ein gelbes Schild mit einer blinden Eule.
Bleiben Sie stehen und verbringen Sie einen Moment mit dem Baum.
Und dann, wie ein Tintenfleck am Rand des Bauplans, torkelt Aleister Crowley in die Geschichte. Ein britischer Okkultist, Schriftsteller und Bergsteiger, der schon zu Lebzeiten berüchtigt war. Er nannte seine Praxis „Magick“ – mit „ck“ – und bezeichnete sich selbst als „Das Biest 666“. Wenn ihr jemals mit der Ästhetik des Tarot in Berührung gekommen sind, seid ihr ihm wahrscheinlich begegnet: Das Thoth-Deck wurde von Lady Frieda Harris für ihn entworfen, und er schrieb das Buch Thoth als dessen Leitfaden – dicht, symbolisch und seltsam einflussreich.
Und falls ihr jemals das Album Cover von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band angestarrt habt: Da ist er auch, ein weiteres berüchtigtes Gesicht in diesem psychedelischen Pantheon, als eine Art kultivierte Mutprobe in den Mainstream geschmuggelt.
Im Jahr 1930 trieb er sich im Berlin der Weimarer Republik herum. Ein paar Monate später gleitet er hinunter nach Portugal zu den wellenumspülten Klippen von Boca do Inferno (dem Höllenschlund) und inszenierte einen Selbstmord, den die Zeitungen kurzzeitig für bare munze genommen haben. Dann, als wäre nichts gewesen, taucht er hier am Lietzensee wieder lebendig auf und mietet ein Zimmer in einem Gebäude direkt gegenüber.
Es gibt Gerüchte … natürlich gibt es Gerüchte … von nächtlichen Ritualen am Wasser, speziell am Baum Nummer 418, gleich hier rechts am Ufer. Eine ahornblättrige Platane, von der man annimmt, dass sie 1807 gepflanzt wurde. Man erzählte von Kreidespiralen an den Türen der Bootshäuser, dort, wo die bürgerliche Respektabilität ohnehin nur noch an einem seidenen Faden hing.
Machen wir weiter.
Halten Sie den See auf Ihrer rechten Seite und gehen Sie in die gleiche Richtung wie wir
Wir werden uns das Kriegerdenkmal direkt vor uns ansehen.
Ob Crowley jemals eine Beschwörungsformel am Lietzensee gemurmelt hat, spielt fast keine Rolle. Die bloße Möglichkeit seiner Anwesenheit genügt. Es ist eine weitere Art, den Park zu nutzen: nicht als Wohnzimmer oder Freizeiteinrichtung, sondern als temporären Tempel. Ein Scharnier zwischen dieser Welt und derselben anderen, schlecht beleuchteten Hinterbühne.
Während ihr weiter am Ufer entlanggeht, müsst ihr euch nicht entscheiden. Aber wenn eure Füße plötzlich den Rhythmus ändern, wenn sich die Bäume wie Bühnenrequisiten anfühlen, wenn der See kurz wie die dunkle Pupille von etwas Unermesslichem wirkt, dann könnt ihr selbst entscheiden, wessen Fußstapfen ihr wirklich folgt.