TX001 · Fußnote 23 · Routeneintrag 16 von 26
Dernburgplatz
Dernburg wurde zu Gustloff und wieder zurück: Ein Straßenname zeigt, wie Propaganda Tod in Geografie verwandelt.
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Worte, die die Route trägt
Deutsche Textfassung
Wir nähern uns nun der Dernburgstraße, rechts liegt der Dernburgplatz.
Bitte halten Sie kurz inne.
Die Dernburgstraße, benannt im Jahr 1905, sollte eigentlich Heinrich Dernburg ehren – einen Juristen, Politiker und Universitätsgröße , der jedoch ein für die Nationalsozialisten höchst ungelegenes Detail aufwies: seine jüdischen Wurzeln
So wurde sein Name 1936 „korrigiert“. Die Dernburgstraße und der Dernburgplatz wurden in Gustloffstraße und Gustloffplatz umbenannt. Beachtet das Timing: Wilhelm Gustloff wurde am 4. Februar 1936 in Davos erschossen, und weniger als zwei Wochen später klebte Berlin seinen Namen bereits auf den Stadtplan.
Das ist der kleine Mechanismus, auf den ich euch aufmerksam machen möchte: der NS-Kult des „Blutzeugen“, des Propaganda-Märtyrers, bei dem der Tod zur Marke wird und die Marke zur Geografie. Das ist keine Trauer, das ist Marketing.
Doch 1947 wurde das Gustloff-Etikett wieder abgezogen, und die Namen Dernburgstraße und Dernburgplatz kehrten zurück. Das passierte nicht nur hier. Ein Stück westlich von uns durchlief das, was ihr heute als Theodor-Heuss-Platz kennt, ebenfalls einen kompletten Identitätszyklus: Zuerst hieß er Reichskanzlerplatz, 1933 wurde er in Adolf-Hitler-Platz umbenannt, 1947 erhielt er seinen alten Namen zurück, bevor er schließlich 1963 nach Theodor Heuss benannt wurde.
Ok, geh weiter in die gleiche Richtung.
Und während all dieses Namens-Drama sich über unseren Köpfen abspielt, betrachtet die Kulisse hier unten am Seeufer: Ernst Brülls große, prächtige Mietshäuser, die den Platz wie architektonische Leibwächter flankieren, inmitten von Erwin Barths „Großen Kaskaden“.
Das ist der frühe Park Witzleben, wie er sich von seiner besten Seite zeigt.
Gehen Sie weiter geradeaus und halten Sie die Straße auf Ihrer linken Seite.