TX001 · Fußnote 21 · Routeneintrag 14 von 26
Lietzows Feuchtwiesen und Nabokovs Rohre
Unter der Suarezstraße liegen Lietzows Feuchtwiesen, slawische Siedlungsspuren und die Nachfahren alter Entwässerungsgräben.
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Worte, die die Route trägt
Deutsche Textfassung
Fahren Sie geradeaus auf der Suarezstraße.
Vor 800 Jahren war dies offenes Gelände: Feuchtgebiete, Wiesen und flache Teiche, die in die Spree mündeten. Die meisten Bewohner lebten damals etwa einen Kilometer nordwestlich von hier, etwa in der Gegend des heutigen Schlosses Charlottenburg. Die Menschen hier waren slawische Bauern und Fischer, die nach der Ostexpansion des Heiligen Römischen Reiches im 12. Jahrhundert langsam germanisiert wurden. Der sumpfige See hinter den modernen Häusern war ihre Lebensgrundlage – eine Quelle für Fisch, Schilf und Eis im Winter. Bis zum 15. Jahrhundert war Lietzow ein ruhiger Bauernweiler unter der Gerichtsbarkeit von Spandau. Reisende auf dem Weg nach Berlin durchquerten diese Felder mit der Pferdekutsche.
Wenn ihr euch dem Dernburgplatz nähert, bemerkt ihr vielleicht Anzeichen von Bauarbeiten. Bei diesem Projekt handelt es sich um ein massives unterirdisches Wasserwerk, Teil eines Systems, das Grundwasser aus dem Lietzensee-Becken in Richtung Spree leitet. Die Rohre unter euren Füßen sind die modernen Nachfahren der Entwässerungsgräben, die einst das Wasser aus den Sümpfen des Lietzensees führten.
Wladimir Nabokov, der gleich auf der anderen Seite der S-Bahn-Gleise wohnte, widmete in seinem Stadtführer Berlin den Rohren einen eigenen Abschnitt. Er schrieb:
„Ich gehe hinaus in das flache, graue Licht des frühen Morgens. Ein gleichmäßiger Streifen Neuschnee zieht sich an der Oberseite jedes schwarzen Rohrs entlang. Heute hat jemand mit dem Finger ‚Otto‘ auf den Streifen unberührten Schnees geschrieben, und ich dachte, wie wunderbar dieser Name mit seinen zwei weichen O's, die das Paar sanfter Konsonanten flankieren, zu der stillen Schneeschicht auf diesem Rohr passte, mit seinen zwei Öffnungen und seinem verschwiegenen Tunnel.“
Fast ein Jahrhundert später liegt dieselbe stille Poesie in diesen nützlichen Formen, im Summen der vergrabenen Rohre, im Rhythmus der Straßenbahnen, in der Art und Weise, wie die Stadt ihre Schönheit durch Infrastruktur und Verfall offenbart.
Gehen Sie weiter geradeaus.