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Agnes bei Fußnote 32

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TX001 · Fußnote 32 · Routeneintrag 24 von 26

Parkwächterhaus · das geheime Archiv

Im Parkwächterhaus lag Charlottenburgs geheime Alltagsbiografie unter Marderkot: Sütterlin, Klatsch, Tauben und illegale Hechtfischer.

2:09 englische AufnahmeAudio-Fußnote

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Worte, die die Route trägt

Deutsche Textfassung

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Es war nie als romantischer Ort gedacht. Es sollte nützlich sein: eine Bedürfnisanstalt, Verwaltung, ein Ausschank von Milch und Mineralwasser für durstige Jogger, und im ersten Stock: die Dienstwohnung des Parkwächters.

Als der Verein ParkHaus Lietzensee e. V. – die Initiative, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, das Gebäude behutsam zu neuem Leben zu erwecken – bei den Entkernungsarbeiten den Dachboden räumte, fand man die geheime Biografie des Hauses. Konserviert im denkbar unglamourösesten Archiv: unter zentimeterdicken Marder-Hinterlassenschaften. Darunter kamen Kisten mit Papieren zum Vorschein – brüchig, verrußt, voll von kleingeistigen, kommunalen Notizen in alter Sütterlinschrift.

Eine Beschwerde flanierender Parkbesucher erwähnte die Frau des Parkwächters, Frau K., die ihre „drallen Beine“ ungeniert zur Schau gestellt habe. Ein Satz, der nicht nur einen Körper beschreibt, sondern eine Nachbarschaft, die diesen Körper beobachtet, vermisst und allein für seine Existenz abstraft.

Und dann die Ehe – zwischen den Zeilen als porös zu erahnen: kein lauter Skandal, eher ein ständiges Durchsickern. Das Privatleben blutete in die Öffentlichkeit hinein, und die Öffentlichkeit ließ keine Gelegenheit aus, dies zu kommentieren. Das ist eben Charlottenburg.

Gehen Sie weiter in die gleiche Richtung wie zuvor und ich erzähle Ihnen mehr.

Es gibt noch weitere skurrile Einträge: Ratten, die junge Tauben aus dem Taubenschlag auf dem Dachboden geholt hatten. Und mein persönlicher Favorit: „dunkle Gestalten“, die als Wildangler beim illegalen Fischen von Hechten aufgegriffen wurden ... Laut den Aufzeichnungen waren sie vom Parkwächter selbst in bierseliger Laune an den See eingeladen worden.

Die Zeit versuchte natürlich, das Gebäude auszulöschen. Es wurde immer wieder um- und angebaut, zweckentfremdet, vergessen. Lange genug leer stehen gelassen, damit die Stille einziehen, ihren Koffer auspacken und ihren Mantel aufhängen konnte.

Dann wurde es dank des Vereins wiedereröffnet: als Mikromuseum, Gemeinschaftslabor und – je nachdem, wie mutig man sich fühlte – als „Ground Zero“ für die gegenkulturellen Bewegungen der 2030er.

Fahren Sie geradeaus weiter.

Öffentlicher Permalinkhttps://www.berlinfootnote.com/footnotes/tx001/32-parkwachterhaus-caretakers-house/?lang=de