TX001 · Fußnote 01 · Routeneintrag 1 von 26
Start: Eine rätselhafte Banane
Agnes eröffnet den Story-Walk mit einer rätselhaften Betonbanane, dem russischen 24-Stunden-Laden und einem ersten Blick in Charlottenburgs Unterseite.
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Derzeit auf Englisch · 4:27
Die deutsche Aufnahme folgt später. Bis dahin bleibt hier die englische Fassung.
Wenn die Aufnahme endet, führt die Route automatisch zu „Nabokovs Stadtführer Berlin“ weiter und beginnt dort mit der Wiedergabe.
Worte, die die Route trägt
Deutsche Textfassung
Willkommen zu meiner Tour „Charlottengrad und das versunkene Dorf Lietzow“. Ich heiße Agnes von Witzleben – psychogeografischer Flaneur, kosmopolitischer Globalist, opportunistischer Archivar und Host von Berlin Fußnote. Ich lebe seit 23 Jahren hier – und die meiste Zeit davon genau hier in Charlottenburg.
Transmission 1.0 ist die Jungfernfahrt der Berlin-Fußnote-Tour – als Podcast und als GPS-Audioguide. Auf berlinfootnote.com gibt es eine Karte. Falls ihr vom Kurs abkommt, beschreibe ich euch den Weg so gut ich kann. Natürlich kann man die Podcast-Version überall hören, aber als Spaziergang funktioniert sie am besten. Eine englische Version gibt es ebenfalls komplett. Bleibt gern nach dem Ende noch dran; dann kommen die Dinge, die nicht mehr in den Spaziergang hineingepasst haben.
Bitte: Augen auf. Hundekot, Autos, Fahrräder – und diese E-Scooter, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen.
Unsere Tour beginnt an der S-Bahn Charlottenburg und führt durch ein Viertel, das mit Wladimir Nabokovs Erzählung „Stadtführer Berlin“ verbunden ist – geschrieben hier im Winter 1925. Unterwegs stoßen wir auf Spuren der russischen Emigration, auf Nachklänge der radikalen Sozialexperimente rund um Kommune 1, und auf Orte wie das Klick Kino, Mikromuseen, Music Train Records, das persische Literatur-Café Hedayat, Gallery 15, Parkside Gallery Berlin und die Antiquitätenhändler der Suarezstraße. Am Ende spazieren wir um den Lietzensee – wo die urbane Folklore von einem versunkenen Dorf unter der Wasseroberfläche spricht, und wo zeitweise der Mystiker Aleister Crowley Charlottenburg als Operationsbasis nutzte.
Die Strecke ist etwa 3,1 Kilometer lang und dauert knapp eine Stunde.
Ein kurzer Hinweis: Wenn wir gleich in dieses ganze Thema mit Mystik, Geistern und Nymphen hineinstapfen, erwartet bitte keine hundertprozentige historische Genauigkeit. Wir mischen belegte Geschichte mit Kiezklatsch, halb erinnerten Mythen und ein bisschen künstlerischer Freiheit. Das hier ist ein Story-Walk, keine Prüfung. Also bitte nicht die Gespenster fact-checken.
Wir beginnen an einer ziemlich heiklen Stelle: auf dem schmalen Mittelstreifen unter der S-Bahn-Brücke, dort, wo die Lewishamstraße südlich des Stuttgarter Platzes in die Kaiser-Friedrich-Straße übergeht.
Schauen Sie auf die Betonbarriere zwischen den Fahrspuren in Richtung Norden und Süden.
Schauen Sie genau hin.
Das – völlig absurd – ist eine rätselhafte Betonbanane. Fest montiert. Unbeschriftet. Ohne ersichtlichen Zweck. Unerklärlich und auf eine seltsame Art dauerhaft.
Rechts von euch, am Eingang zur Station, steht ein russischer Laden; ihr erkennt ihn an der kyrillischen Beschriftung. Es ist der einzige 24-Stunden-Lebensmittelladen im Kiez. Warum ausgerechnet dieser Laden nachts offen sein darf – und, Gott bewahre, auch sonntags – hat angeblich mit einem alten Vertrag aus der Zeit zu tun, als die S-Bahn noch von der DDR betrieben wurde. Drinnen stapeln sich Dosen mit Kaviar, Gläser mit eingelegten Pilzen, gepökelter Hering, georgische Weine und tiefgefrorene Pelmeni.
Im angrenzenden Café sitzen manchmal Taxifahrer mit schwarzem Tee aus Gläsern oder Studierende, die noch immer an dem Bier festhalten, mit dem sie eigentlich letzte Nacht begonnen haben.
Wenn ihr auf die Idee kommt, einfach hinüberzulaufen, statt die Ampel zu nehmen, spürt ihr möglicherweise das stumme Urteil des modernen Charlottenburgers – ein Archetyp, verkannt und unterschätzt. Solchen werden wir noch ein paar mehr begegnen.
Gehen Sie jetzt auf dem Mittelstreifen in Richtung Bahnhofseingang.
An der Kreuzung überqueren Sie die Straße nach links.
Bleiben Sie dort ruhig eine Minute. Sie können vor dem Café Rossiya sitzen oder im Lebensmittelladen stöbern.
Gehen Sie nur nicht zu weit in die Grünflächen auf beiden Seiten des Bahnhofs. Dort wird es gern etwas zwielichtig, und dort finden Sie alles, was aus dem Unterbau Charlottenburgs hervorgekrochen ist.
Sie sind gewarnt.