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Agnes bei Fußnote 34

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TX001 · Fußnote 34 · Routeneintrag 26 von 26

Kleine Kaskaden · litoraler Riss

An den Kleinen Kaskaden öffnen Geisterfernsprecher und litoraler Riss den Lietzensee zur Zukunft – bis Nabokovs Alltagsdinge wiederkehren.

6:34 englische AufnahmeAudio-Fußnote

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Derzeit auf Englisch · 6:34

Die deutsche Aufnahme folgt später. Bis dahin bleibt hier die englische Fassung.

Dies ist die letzte Aufnahme der öffentlichen Route.

Worte, die die Route trägt

Deutsche Textfassung

Sie haben die letzte Station der Tour erreicht.

Gehen wir nach links und folgen wir dem Weg am Seeufer.

Versteckt zwischen diesen Dokumenten auf dem Dachboden, zusammengefaltet wie Schmuggelware, fand der Verein auch Pläne. Technische Zeichnungen aus den 1930er Jahren, verfasst vom Parkwächter selbst, unserem Herrn K. Sie trugen den Titel „Geisterfernsprecher“.

Er sollte entlang der Nord-Süd-Achse der Kaskade installiert werden. Und wenn man das erst einmal weiß, wirken die Kaskaden plötzlich nicht mehr nur dekorativ. Sie sehen vielmehr aus wie eine Infrastruktur, die fast ein Jahrhundert lang stillschweigend darauf gewartet hat, wieder eingeschaltet zu werden.

Zusammen bildeten sie das, was zukünftige Archivare wie ich später als den „litoralen Riss“ bezeichneten. Das ist der akademische Code für diese Art von Saum.

Dieser Saum öffnete sich tatsächlich am Sonntag, dem 7. Dezember, dem zweiten Advent 2031, um 17 Uhr. In meiner Ära ist der Lietzenseepark genau dafür am berühmtesten: dokumentierte paranormale Phänomene. Keine Gerüchte, sondern Beweise.

Als sich der Saum 2031 öffnete, berichteten Anwohner von einem grünen Leuchten, das aus dem See aufstieg, als würde unter der Oberfläche eine Kristallstadt aufsteigen. Geisterhunde, die im Chor bellten. Spontane Brände ohne erkennbare Zündquelle. Und ein Kirchenchor an der südlichen Kaskade, der lateinische Weihnachtslieder sang.

Bevor er mitten im Hymnus umschwenkte und zu etwas völlig anderem wurde:

Es war Undine von Blankenschiffs Lied, die „Ballade der ertrunkenen Braut“.

Während die Töne ins Wasser fielen, hörte der See auf, den Himmel zu spiegeln. Für eine lange Sekunde spiegelte er sie wider – weder sinkend noch schwebend –, die ewige und unvermeidliche Wiedererweckung der Weißen Frau von Hohenzollern.

Oder vielleicht war es doch der Ruf der blinden Eule.

Suchen Sie sich einen bequemen Platz auf der Wiese mit Blick auf den See, während wir zum Ende kommen.

Um auf Nabokovs „Stadtführer Berlin“ von 1925 zurückzukommen: „Ich glaube, dass hierin der Sinn des literarischen Schaffens liegt: die gewöhnlichen Dinge so darzustellen, wie sie sich in den gütigen Spiegeln zukünftiger Zeiten zeigen. In diesen Dingen um uns herum jene duftende Zärtlichkeit zu finden, die erst die Nachwelt in fernen Zeiten erkennen und schätzen wird, wenn jede Kleinigkeit unseres schlichten Alltags für sich genommen exquisit und festlich geworden ist. Zeiten, in denen ein Mann, der sich heute die gewöhnlichste Jacke anzieht, wie für eine elegante Maskerade gekleidet sein wird.“

Nabokov hatte sich einst einen exzentrischen Schriftsteller der Zukunft vorgestellt, der die Artefakte des Berliner Alltags ausgräbt: Knöpfe, Uniformen, Straßenbahntickets, um dann nach Hause zu gehen und unsere verschwundene Gegenwart zu beschreiben.

Spinnen wir diesen Gedanken also weiter. Irgendwo im 22. Jahrhundert findet ein geduldiger Schriftsteller, halb Gelehrter, halb Schatzsucher, ein seltsames Artefakt. Ein Artefakt, das an den Ufern vor dem Baum 418 aus der Tiefe aufgetaucht ist: ein gesprungenes Smartphone mit spinnennetzartigem Display, ein winziger Ohrhörer und ein Metallmedaillon mit einem quadratischen schwarzen QR-Code im Inneren. Ein uralter Zauberspruch zur Beschwörung von Informationen.

Er bringt diese Gegenstände an seinen Schreibtisch, so wie man Opfergaben zu einem Altar bringt. Er poliert den Bildschirm. Er hält den Aufkleber ins Licht. Er studiert ihn wie das Wappen eines vergessenen Herzogtums. Er geht nach Hause und beginnt zu schreiben – nicht über Kaiser und Höfe, sondern über die sanften, menschlichen Details, die die Geschichte stets zu zermahlen versucht.

Schaut genau hin. Beschreibt es getreu, denn eines Tages wird jemand unsere Gegenwart ausgraben und versuchen, sie Wort für Wort für die Nachwelt wieder auferstehen zu lassen.

Danke, dass ihr bis hierhin geblieben seid. Das war es mit dem Tourteil dieser Übertragung.

Öffentlicher Permalinkhttps://www.berlinfootnote.com/footnotes/tx001/34-end-kleine-kaskaden/?lang=de